11. 10. 2020, 11.00 Uhr
Mozart-Saal des Theaters Reduta
Pavel Haas Quartet
Unter Mitwirkung von Pavel Nikl
Bohuslav Martinů (1890–1959): Streichquartett Nr. 2, H 150
Leoš Janáček (1854–1928): Streichquartett nach Tolstois „Kreutzersonate“, JW VII/8
Antonín Dvořák (1841–1904): Streichquintett Nr. 3 Es-Dur, op. 97
Das erste unbestreitbare Meisterwerk Bohuslav Martinůs im Bereich der Kammermusik war sein Streichquartett Nr. 2 aus dem Jahr 1925. Der Komponist schuf es in einer Zeit, als er bereits unter dem Einfluss seines Aufenthalts in Paris und der Musikkultur dieser Stadt stand. Dass Quartett, welches Martinů im Frühjahr 1925 schrieb und anschließend im Sommer desselben Jahres in Polička überarbeitete, ist zwar einerseits noch von der Tradition der Romantik und des Impressionismus beeinflusst, gleichzeitig markiert es jedoch einen Neubeginn im Kammerwerk des Komponisten. Er verzichtete erstmals in einem Quartett auf die Mitteilung eines „höheren Gedankens“ oder einer Botschaft, sondern bemühte sich vielmehr um sachliche, unpersönliche Objektivität, so wie er dies in Paris etwa in manchen Werken Strawinskys kennen gelernt hatte. Nach der Vollendung des Stückes im Sommer 1925 gruppierte sich um Stanislav Novák, einen Freund Bohuslav Martinůs, ein Streichquartett, das die neue Komposition anschließend erstmals aufführte. Für den jungen Autor bedeutete es einen großen Ansporn, dass sein Streichquartett Nr. 2 von der namhaften Universal Edition verlegt wurde.
Das Streichquartett nach Tolstois „Kreutzersonate“ stammt aus dem Jahr 1923. Die Entstehungsgeschichte dieser Komposition reicht jedoch bis ins Jahr 1908 zurück, als Janáček ein heute nicht mehr erhaltenes Klaviertrio schrieb, bei dem er sich durch Tolstois Novelle inspirieren ließ. Vom musikalischen Material dieses Trios ging Janáček später bei der Komposition seines ersten Streichquartetts aus. Er widmete dieses Opus dem bekannten Böhmischen Quartett, welches es auch bei der Uraufführung am 17. Oktober 1924 interpretierte. Der damals bereits siebzigjährige Autor konnte mit diesem Werk große Erfolge verbuchen, so erklang es etwa 1925 beim Festival der Internationalen Gesellschaft für moderne Musik in Venedig.
Das Streichquintett Nr. 3 Es-Dur ist eines der bedeutendsten Kammerwerke des zu jener Zeit bereits weltbekannten Antonín Dvořák. Er komponierte es 1893 während seines Aufenthalts in Amerika. Das Stück entstand während Dvořáks Urlaub in Spillville unmittelbar nach seinem Streichquartett F-Dur. Das überaus originelle Werk schöpft seine Inspiration gerade aus dem Aufenthalt in Amerika und ist durch Pentatonik, eine synkopische Rhythmik und Anklänge an die indianische Folklore charakterisiert. Gleichzeitig zeigt die Komposition durch die erweiterte Instrumentierung eine sehr hohe Klangdichte und einen großen Ausdrucksreichtum. Das Streichquintett hatte seine Premiere am 12. Januar 1894 in New York in einer Einstudierung des Kneisl-Quartetts mit Max Zach an der zweiten Viola. In Prag erklang das Werk erstmals am 10. Oktober 1894 bei einem Auftritt des Böhmischen Quartetts zusammen mit Ferdinand Lachner.
Autor: Jiří Zahrádka