9. 10. 2020, 19.00 Uhr

Mahen-Theater

PhilHarmonia Octet Prague und Christoph Pohl–bariton

Gustav Mahler (1860–1911): Lieder aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn Arrangement Tomáš Ille

Leoš Janáček (1854–1928): Suite aus der Oper Aus einem Totenhaus Arrangement Tomáš Ille,

ISANG YUN – OKTETT

Bariton: Christoph Pohl

Prominentester Vertreter der sogenannten tschechischen Windschule – im europäischen Kontext – ist derzeit das Ensemble „PhilHarmonia Octet“, eine 2007 auf Initiative von Vilém Veverka und Václav Vonášek gegründete Musikgruppe. Ihre Absicht war es, eine Formation der besten tschechischen Spieler einer Generation (die während ihres Studiums an der HAMU in vielerlei Hinsicht maßgeblichen Einfluss hatten) zu schaffen bzw. die einheimische Interpretationstradition mit modernen europäischen Stilen und Trends zu konfrontieren. Ein charakteristisches Merkmal des Ensembles ist die Tatsache, dass die Interpreten Preisträger renommierter internationaler Wettbewerbe bzw. Absolventen ausländischer Studien sind, die sich als Solisten profilieren. Interessant ist auch, dass die Mitglieder der führenden europäischen Orchester wie der Berliner Philharmoniker, des WDR Köln und der Tschechischen Philharmonie ebenfalls interessant sind.

Erst das letzte halbe Jahrhundert hat gezeigt, welch grundlegende Bedeutung das Werk Gustav Mahlers für die Musik des 20. Jahrhunderts hatte. Der zu Lebzeiten als Dirigent wie als Komponist hoch angesehene Autor verband in seinem Werk Melancholie, Pathos und Grandezza mit Ironie und frecher Grimasse, wobei er nicht davor zurückschreckte, monumentale, romantisch exaltierte Ausdrucksformen und profane musikalische Zitate direkt nebeneinander zu stellen. Mahlers Werk wurde nach seinem Tode oft verlacht und wenig ernstgenommen. Heute jedoch kann Mahler als eine der respektiertesten Komponistenpersönlichkeiten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gelten. Einen umfangreichen Liedzyklus komponierte Mahler in den Jahren 1888–98 nach Texten volkstümlicher Gedichte aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn von Clemens Brentano und Achim von Arnim. Der erste Zyklus entstand in den Jahren 1888–90, als Mahler neun Gedichte für Klavier und Gesangsstimme adaptierte. Ein weiteres Mal kehrte er in den Jahren 1892–98 zu der Sammlung zurück, wobei er die neuen Lieder bereits für Gesang und Orchester konzipierte. Einschließlich der Lieder, die er als Bestandteil seiner 2., 3. und 4. Symphonie komponierte, vertonte er insgesamt vierundzwanzig Texte aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn. Die Lieder sind sehr vielgestaltig – melancholisch, humoristisch, kriegerisch, andächtig. In Mahlers Adaption haben sie jedoch alle eines gemeinsam: einen außergewöhnlichen Einfallsreichtum, der weit von bloßer sinnige Deklamation entfernt ist. Den ersten Teil des Zyklus instrumentierte der Autor später für Symphonieorchester. Das neue kammermusikalische Arrangement für Bläser ist das Werk des Komponisten Tomáš Ille.

Als wohl progressivstes musikdramatisches Werk Leoš Janáčeks darf seine letzte Oper Aus einem Totenhausgelten. Die Opernadaption von Dostojewskis Roman Aufzeichnungen aus einem Totenhaus entführt uns in ein russisches Straflager, wo der Komponist durch seine Darstellung des Häftlingslebens, die zu einem großen Teil auf den von den einzelnen Lagerinsassen erzählten Geschichten basiert, in ungewöhnlich plastischer Weise das entbehrungsreiche Leben der Verschmähten und Vergessenen schildert. Janáček schuf eine ungemein dramatische und in ihrer Substanz grobschlächtige Musik, die in meisterhafter Weise auch den erbärmlichen psychischen Zustand der Verurteilten reflektiert. Es finden sich jedoch auch hier zärtliche Passagen voller Verständnis und Vergebung. Schließlich lautete das Motto des Komponisten zu seiner Oper: „In jedem Geschöpf ein Funke Gottes“. Die Partitur ist zweifellos sehr bemerkenswert, und so kann es nicht verwundern, dass sie auch zum Gegenstand verschiedenster Adaptionen wurde, so vor allem in Form einer Suite. Im Rahmen des Festivals wird jedoch erstmals eine Adaption der Suite für Kammerblasensemble zu hören sein.

Autor: Jiří Zahrádka